· 

Bei „Joseph“ sind die Chöre in Bewegung

Neid, Liebe, Mobbing, Versöhnung – die Geschichte von Joseph und seinen Brüdern ist Jahrtausende alt. In dem Musical „Joseph and the Amazing Technicolor Dreamcoat“ von Andrew Lloyd-Webber, das das Theater Dortmund mit dem Märkischen Gymnasium (MGI) Mitte Juli auf die große Opern-Bühne bringt, werden diese Themen auch für die Jugendlichen von heute hoch aktuell. Es geht da richtig hoch her, sehr dynamisch im Erzählstil und szenisch in der Darstellung – und mit vielen Musik-Nummern von Country bis Calypso auch sehr tänzerisch.

 

Bei den Proben in Dortmund wird viel geschwitzt

Damit bekommt dieses dritte große Opern-Projekt, das das MGI in Kooperation mit dem Theater Dortmund angeht, wieder eine ganz eigene Note. Während „Das Geheimnis der schwarzen Spinne“ (2014) als Oper in moderner Tonsprache vor allem musikalisch und gesanglich eine echte Herausforderung war, und das MGI bei der Rockoper „Beethoven’s Last Night“ (2017) alle Register zog und mit Chor, vielen Solo-Parts, Band und Orchester die Aufführungen nahezu im Alleingang stemmte, sind es nun vor allem die Chöre der Schule, die auf ganz besondere Weise gefordert sind, eben weil dieses Mal getanzt und gespielt wird. Stärker als zuvor sind die Chöre szenisch gefordert und sind immer in Bewegung – das ist neu, ungewohnt und eine Herausforderung der besonderen Art.

Das wird auch beim Besuch in den Probenräumen der Dortmunder Oper deutlich, in denen die rund 80 Kinder und Jugendlichen seit Januar regelmäßig am Wochenende proben. Natürlich wird da auch gesungen. Es geht aber niemand mit strapazierten Stimmbändern nach Hause, dafür mancher aber wohl mit einem Muskelkater. Es wird hart trainiert, an den ausgefeilten Choreographien gearbeitet und viel geschwitzt.

„Letztes Mal war es durchaus entspannter“, sagt auch Elaine Richter lachend. Die 17-Jährige macht gerade Abitur und hatte vor zwei Jahren bei „Beethoven“ eine große und prachtvoll kostümierte Hauptrolle. Das sei ziemlich aufregend und toll gewesen. Mehr gefordert werde sie aber in diesem Jahr. Zusammen mit den geübten Bühnen-Profis vom Dortmunder „Opernclub Tortugas“ legt sie sogar einen Paartanz aufs Parkett. Dafür, dass die Schüler in Sachen Tanz recht ungeübt seien, sei das schon ganz schön anspruchsvoll. „Sie macht das aber wirklich super“, sagt Elaine.

Mit „sie“ ist Jutta Maas gemeint, die als Tanz-Koryphäe und ehemalige Stepptanz-Weltmeisterin die Choreographie und Einstudierung der Tänze übernommen hat und damit neben Dirigent Christoph JK Müller und Regisseur Alexander Becker eine herausragende Rolle bei diesem Projekt spielt. Die drahtige 54-Jährige weiß, wie man Jugendliche anfasst. Mit Humor, Verständnis, aber auch mit hohem Anspruch kitzelt sie das Letzte aus ihnen heraus. Genau darum geht es schließlich bei den Opern-Projekten: Das sind professionelle Aufführungen, bei denen die Oper Dortmund alles gibt, was sie hat, dafür aber den Jugendlichen auch alles abverlangt.

 

Opern-Projekte zeigen eine starke Entwicklung

Und genau das macht am Ende auch den besonderen Reiz und das Wahnsinns-Erlebnis für die jungen Laiendarsteller aus. Das sieht auch Lisa Pauli so. Die MGI-Schülerin hatte bereits bei den ersten beiden Projekten mitgemacht und hat auch jetzt als Erzählerin wieder eine tragende Rolle. Jedes Stück, sagt sie, habe bisher etwas ganz Eigenes gehabt, und die Opern-Projekte hätten eine starke Entwicklung gezeigt. Eine Entwicklung, die auch sie selbst mitgemacht hat. Inzwischen ist die Abiturientin sogar selbst Mitglied der „Tortugas“ in Dortmund und war bei der letzten Jugendopern-Produktion „Linie 1“ dabei.

Dieses Mal sei es durch den hohen Tanzanteil noch einmal eine ganz andere Nummer. Das sei für alle neu. „Wir werden alle sehr aufgeregt sein“, prophezeit die 18-Jährige. „Es macht aber auch sehr viel Spaß. Wir sind alle hoch motiviert,“ sagt sie und unterstreicht, dass Jutta Maas ihre Arbeit großartig macht. Und die gibt das Lob gerne zurück. „Ich bin sehr zufrieden“, sagt die Choreographin. „Die Jugendlichen machen das prima.“

Im Juli wird es dann richtig ernst. Es kommen Maske, Kostüm, Requisite und alles, was der Opernbetrieb aufzubieten hat, dazu. Am 10. und 11. Juli stehen dann drei Aufführungen an. Die Premiere und die Schülervorstellung sind ausverkauft. Für die dritte Vorstellung am Donnerstag, 10. Juli, um 19.30 Uhr sind noch Karten unter www.theaterdo.de zu haben.

Das MGI ist mit rund 80 Schülern aus dem Unterstufen-Chor und dem Chor der Jahrgänge sieben bis zwölf dabei. Die Iserlohner Lisa Pauli, Felix Kriewald und Dominik Wessolly haben Solo-Rollen übernommen.

Für die Einstudierung der Chöre am MGI waren die Musiklehrer Thorsten Menne und Stefan Klute sowie die Stimmbildnerin Uta Minzberg zuständig.

Der Orchesterpart kommt von der Band „Orange Groove“ von der Musikschule Dortmund und einem Projekt-Orchester, in dem auch die MGI-Schülerin Clara Trettin mitwirkt.

Die musikalische Leitung hat Christoph JK Müller, die Regie kommt wie bei den vorigen Projekten von Alexander Becker.

 

Quelle: IKZ