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„Tierchen unlimited“

Tijan Sila, der Stipendiat für Literatur der Märkischen Kulturkonferenz 2018, war am 4.7. am MGI zu Gast und las in der Aula aus seinem Erstlingsroman „Tierchen Unlimited“ vor.

Selbst als Flüchtlingskind aus Bosnien Anfang der 90er nach Deutschland gekommen, konnte er in seinem Roman mit den – von der Wortwahl oft derben und sehr realistischen- Beschreibungen des Krieges, der Flucht und des Lebens in Deutschland überzeugen. Man merkte, dass dort jemand von Erlebnissen berichtet, die einen tiefen Eindruck auf jeden Menschen hinterlassen würden. Sein Protagonist im Roman wird von Neonazis verdroschen und flieht blutüberströmt auf einem Fahrrad- diese Szene schildert Tijan Sila so eindrucksvoll, dass die Zuhörer in der Aula die Schmerzen nachempfinden konnten. Manche Zuhörer bezeichneten den Stil als zu derb- doch wie will man solche Gräuel wie Krieg und Flucht vor Bomben oder Neonazis anders ausdrücken, ohne sie abzuschwächen?

Nach der Lesung beantwortete Tijan Sila viele Fragen aus dem Publikum und es war merkbar, wie beeindruckt die Zuhörer nicht nur vom Protagonisten, sondern eben auch von der biographischen Geschichte des Autors waren: Flucht aus dem bosnischen Bürgerkrieg, Aufwachsen in der Pfalz, Studium der Germanistik und Anglistik, Heirat, Erfolg als Autor- eine Erfolgsgeschichte der Integration und der Bereitschaft, etwas zu leisten und vielleicht auch Motivation und Gewissheit für die Kinder der internationalen Klasse, die ebenfalls an der Lesung teilnahmen, dass das Aufwachsen in Deutschland positiv sein kann, selbst wenn man aus seinem Heimatland vertrieben worden ist.
Heute arbeitet der Autor als Lehrer an einer Berufsschule und schreibt mittlerweile an seinem dritten Roman. Der zweite wird im September erscheinen, und ich bin mir sicher, auch dieser Roman wird die Leser in seinen Bann ziehen.

Katharina Döring